Es waren einmal ein armer Mann und eine arme Frau. Sie wohnten mit ihren vier Kindern im tiefen Wald. Sie lebten bescheiden und waren mit wenig zufrieden. Ihr Reichtum waren ihre Kinder, für die sie nur das Allerbeste im Leben wünschten.

Als aber die Kinder heranwuchsen und mehr Essen und Kleider brauchten, wurde ihre Not so groß, dass die Frau eines Tages zu ihrem Mann sagte: "Geh hinaus in die weite Welt und versuche Dein Glück, denn wir haben nichts zu essen und keine Kleider. Der Winter steht vor der Tür und unsere Kinder frieren!"

Der arme Mann schnürte sein Bündel und begab sich hinaus in die weite Welt, um sein Glück zu versuchen. Er machte sich auf den Weg, damit seine Kinder warme Winterkleider und Essen bekommen konnten.

Der Mann war schon lange unterwegs, als er am Wegesrand plötzlich eine alte Frau erblickte. Sie rief: "Lieber Mann, gib mir doch bitte einen Bissen zu essen, denn ich habe so schrecklichen Hunger, dass mein Magen laut knurrt!" Sie war ganz schwach und trug schmutzige, zerlumpte Kleider. Dem armen Mann tat das alte Weib so leid, dass er nicht anders konnte als seinen ärmlichen Vorrat mit ihr zu teilen. So teilte er sein Brot in zwei Teile und gab ihr die Hälfte. Sie war hoch erfreut, klatschte in die Hände, umarmte den Mann herzlich und sagte: "Nichts kommt in eine verschlossene Hand. Das Glück begleite Dich auf deinem Wege. Folge dem Weg in den tiefen Wald und finde Deine eigene Welt!"

Die dankbare alte Frau beeindruckte den armen Mann so sehr, dass seine müden Beine ihn plötzlich wieder trugen. Guten Mutes folgte er standhaft dem Weg bis tief hinein in den dunklen Wald. Er wollte sein Glück versuchen und folgte dem Rat der Alten.

Der Mann war weit gegangen, als er wieder etwas sah. Hinter einer alten Baumwurzel guckte ein Fuchs hervor, der ihn um Hilfe bat. Der Fuchs hatte seine Pfote in der Baumwurzel festgeklemmt und kam nicht los. Der arme Mann hatte Mitleid mit ihm, half ihm, die Pfote zu befreien und bat ihn, in Zukunft im Wald vorsichtiger zu sein. Der Fuchs lächelte breit und wedelte mit dem Schwanz: "Behandle andere so wie Du selbst behandelt werden willst. Das Glück wird mit Dir sein, wenn Du diesem Wege folgst."

Wie sonderbar, dachte der Mann, denn der von ihm eingeschlagene Weg kam ihm bekannt und sicher vor. Der große Wald auf beiden Seiten schien ihn zu umarmen und mit des Waldes ganzer Wucht weiter zu tragen. Am Ende des Weges erkannte er eine Lichtung. Der arme Mann dachte, dort könne er vielleicht sein Glück finden. Es begann bereits zu dämmern, aber voller Zuversicht für sich und seine Familie kam er endlich dort an. Er traute kaum seinen eigenen Augen. Auf der anderen Seite der Lichtung erblickte er sein eigenes Haus! Die Katze saß auf der Treppe und die Hühner trippelten hintereinander in den Hühnerstall, um schlafen zu gehen. Aber im Haus waren Gäste: der große Elch stand im Garten und bediente sich an den reif gewordenen Äpfeln.

"Ich weiß nicht, wie dieser Weg mich hier her geführt hat, aber ich muss mich auf alle Fälle um meinen Gast kümmern". Vorsichtig schlich er über das Feld hin zum Garten. Der Elch war fröhlich und genoss die äpfel zum Abendbrot. "Guten Abend, lieber Elch", sagte der Mann. "Guten Abend", antwortete der Elch. Der arme Mann hatte den Elch schon desöfteren früher gesehen, aber er war ihm noch nie so nahe gewesen. " Lass es dir schmecken!" Der Mann fühlte sich ganz klein, als er neben dem Elch stand und sah, wie die Apfelernte langsam schrumpfte. Aber eigentlich hatte er nichts dagegen, dass der große Elch von seinen äpfeln fraß, denn sie wohnten ja beide im selben Wald.

"Hast Du im überfluss und Dir geht es gut, so teile Deine Güter und mache anderen guten Mut", sagte der Elch mit seiner tiefen Stimme und schwang sein Geweih. " Nutze Dein Talent und schaffe etwas aus eigener Kraft – warte nicht bis morgen, sondern mache es noch in dieser Nacht!" Der große Elch trabte von dannen und verschwand zwischen den Bäumen.

Der Mann verstand, dass der Elch es ernst meinte und tat, wie ihm der Elch empfohlen hatte. Seine Frau und die Kinder waren bereits zu Bett gegangen, aber er begann, selbst etwas zu machen. Er arbeitete die ganze Nacht und am nächsten Morgen hatte er einen kleinen Thron gezimmert, den er wirklich schön fand. Er nahm den Stuhl und begab sich in die Stadt, um ihn dort zu verkaufen. Unterwegs traf er die alte Frau wieder. Sie stand am Wegesrand und winkte ihm zu. "Ich sehe, Du hast einen Thron gezimmert fein – baue noch mehr und das Glück ist Dein!", rief sie.

Ermutigt und froh machte er sich weiter auf den Weg in die Stadt. Dort weckte der Thron so viel Aufmerksamkeit, dass sogar der König davon erfuhr. Er ließ sogleich den armen Mann zu sich ins Schloss bitten. Als der König den Thron sah, war er so begeistert, dass er ihn für den Prinzen und die Prinzessin kaufen wollte. Der Mann bedankte sich überglücklich für den Kauf, und der König zeigte voller Stolz allen seinen Untertanen den Thron.
Leichten Schrittes ging der Mann nach Hause und erzählte, was er erlebt hatte. Seine Frau und die Kinder waren außer sich vor Freude, und der Mann zimmerte ab jetzt jeden Tag neue Stühle. Die Geschichte über die schönen Thronstühle verbreitete sich rasch, und plötzlich wollten alle einen solchen Thron haben und ihre Kinder zu Prinzen und Prinzessinnen machen.

Wie durch Zaubermacht verkauften sie Thronsessel von früh bis spät, und alle Wünsche des Mannes und der Frau gingen in Erfüllung. Allen, die den Thron erwerben wollten, erzählten sie diese abenteuerliche Geschichte, und alle kleinen Prinzen und Prinzessinnen erfuhren von der Weisheit der alten Frau, des Fuchses und des großen Elches.

Und so lebten sie alle glücklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute......................


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